Shortlist des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2027 bekanntgegeben: Hoda Afshar, Lotus L. Kang, Sasha Kurmaz und Salvatore Vitale

Erschienen am: 28.10.2026

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Deutsche Börse Photography Foundation

Die vier Finalist*innen des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2027 stehen fest:
Hoda Afshar, Lotus L. Kang, Sasha Kurmaz und Salvatore Vitale.

Der Preis zeichnet Künstler*innen aus, die durch eine Ausstellung oder Publikation in den vergangenen 12 Monaten in Europa einen bedeutenden Beitrag zur Fotografie geleistet haben. Seit vielen Jahren genießt der Preis großes Renommee: Er zeichnet herausragende, innovative Arbeiten aus und würdigt das Werk führender internationaler Fotograf*innen. Im Jahr 2027 wird er zum 30. Mal vergeben.

Die ausgewählten Projekte umfassen Fotografie, Film und Sound, skulpturale Installationen, Archivfotografien und -materialien sowie handgefertigte Collagen. Die beeindruckende Auswahl beleuchtet, wie Bilder unser Verständnis von Körpern, Krieg, Arbeit und Macht prägen. Die vier Künstler*innen setzen sich mit Begierde und Erinnerung, dem menschlichen Preis in der digitalen Wirtschaft, dem Überleben in Zeiten von Konflikten sowie der politischen Dimension des Sehens auseinander. Die Ausstellung mit Werken der vier Künstler*innen wird vom 10. März bis 6. Juni 2027 in der Photographers’ Gallery in London zu sehen sein. Vom 19. Juni bis 26. September 2027 wird sie in der Deutsche Börse Photography Foundation in Eschborn/Frankfurt gezeigt.

Wer die mit 30.000 Britischen Pfund dotierte Auszeichnung erhält, wird am Donnerstag, 29. April 2027, bei einer Preisverleihung in London bekanntgegeben. Die anderen drei Finalist*innen erhalten jeweils ein Preisgeld von 5.000 Britischen Pfund. Einzelheiten zur Ausstellung und Preisverleihung folgen Anfang 2027.

Die Finalist*innen 2027 und ihre Projekte:

Hoda Afshar (*1983, Teheran, Iran) wurde für ihre Ausstellung „Performing the Invisible“ am Musée du Quai Branly – Jacques Chirac, Paris, Frankreich (30. September 2025 bis 25. Januar 2026), ausgewählt.

Anhand von Fotografien, Zeichnungen, Spiegeln, Videos und Soundinstallationen untersucht Afshar die Geschichte etablierter Sichtweisen und der Fotografie als Werkzeug von Enthüllung und Widerstand.
Ihre Arbeit „The Fold“, die im Mittelpunkt der Ausstellung steht, setzt sich eingehend auseinander mit dem anhaltenden Erbe kolonialer fotografischer Praktiken und der Frage, wie diese Sichtweisen weiterhin die Art und Weise prägen, wie Körper, insbesondere muslimische Körper, wahrgenommen und konsumiert werden. Bei der Arbeit mit dem Archiv des französischen Psychiaters und Fotografen Gaëtan Gatian de Clérambault (1872–1934) stieß Afshar auf Tausende von Fotografien, die er in Marokko aufgenommen hatte. Indem er verschleierte Frauen, und gelegentlich auch Männer, fotografierte, setzte sich de Clérambault mit seinen psychoanalytischen Theorien über Verhüllung und Fantasie auseinander. Mit dem wiederkehrenden Motiv des Spiegels bricht Afshar dieses historische Archiv auf und verlagert den üblichen Fokus, um die Perspektive umzukehren: So wird der Betrachtende, oder der Akt des Betrachtens selbst, zum Gegenstand der Untersuchung und Erkenntnis. Sie hinterfragt die Gewalt des Blicks und deckt tiefgreifendere Fragen in Bezug auf Sehgewohnheiten und Kontrolle auf.

Lotus L. Kang (*1985, Toronto, Kanada) wurde für die Ausstellung „The face of desire is loss“ im Bulgari-Pavillon, 61. Biennale von Venedig, Italien (9. Mai bis 22. November 2026), ausgewählt.

Die immersive Installation, die Fotografie, Film und Skulptur miteinander verknüpft, blickt darauf, wie sich Körper im Laufe der Zeit verändern, was wir erinnern und was verloren geht. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die Gedichtsammlung „Thresholes“ der US-amerikanischen Autorin Lara Mimosa Montes. In Anlehnung an Montes’ Schreiben entfaltet sich die Installation von Kang im Reich des Dazwischen, in dem Zeit und Körper fluide sind und sich unablässig verwandeln. Nicht-fixierte Filmstreifen, die Kang als „Häute“ bezeichnet, hängen an Stahlträgern herab. Sie reagieren auf Licht und Feuchtigkeit und entwickeln mit der Zeit Hämatome, Blut und gallig schillernde Farbnuancen. Skulpturen aus Tatami-Matten sowie gegossene Objekte aus Gips, Bronze und Glasfaser von weinenden Vögeln und Seetang-Geflechten, lassen an den Körper in Zuständen des Ruhens, Träumens, der Regeneration und des Sterbens denken. 49 Flaschen mit Spirituosen stehen nach buddhistischem Glauben für die Anzahl der Tage, die eine Seele zwischen Tod und Wiedergeburt verbringt. Sie werden begleitet von einem Film über Wattgebiete und Visualisierungen von Vogelgesang – als Symbol für den ständigen Wandel von Leben und Tod.

Sasha Kurmaz (*1986, Kiew, Ukraine) wurde für die Publikation „Red Horse“, erschienen im November 2025 bei Éditions Images Vevey, ausgewählt.

Kurmaz begann sein Projekt mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Die tagebuchartigen Aufzeichnungen seiner Reise in den Krieg erzählen von seinem persönlichen Schicksal und dem Leben all jener, die unter ständiger Bedrohung um ihr Überleben kämpfen. Das 800 Seiten umfassende, visuelle Tagebuch besteht aus handgefertigten Collagen, die aus erster Hand vom Leben in der Ukraine berichten, einem Land, dessen Gesicht sich durch die zerstörerische Kraft des Krieges ständig verändert. Kurmaz kombiniert dokumentarische Fotografien, Notizen, Zeichnungen, Zeitungsausschnitte und zufällige Fundstücke, um seine eigenen Erfahrungen und die der Menschen um ihn herum einzufangen. Neben seinen Gedanken, seinen Ängsten und seinem Schmerz wirft die Ansammlung dieser fragilen Collagen die Frage auf, was anhaltende Ausnahmezustände und Krieg mit Individuen, der Gesellschaft, mit Demokratien und öffentlichen Räumen machen. „Red Horse“ ist eine eindringliche Reflexion darüber, wie der Krieg unser Leben und unser kollektives Gedächtnis verändert und was es bedeutet, in Zeiten kriegerischer Konflikte künstlerisch tätig zu sein.

Salvatore Vitale (*1986, Palermo, Italien) wurde für die Ausstellung „SABOTAGE“ am Photo Elysée, Lausanne, Schweiz (6. März bis 31. Mai 2026) ausgewählt.

In „SABOTAGE“ beschäftigt sich Vitale mit der unsichtbaren menschlichen Arbeit, die das digitale Wirtschaftssystem trägt, und hinterfragt die Systeme der Automatisierung, Überwachung und algorithmischen Kontrolle, die unsere heutigen Arbeitsbedingungen zunehmend prägen. Die Ausstellung deckt einen zentralen Widerspruch des technologischen Fortschritts auf: Hinter dem Versprechen der Automatisierung verbirgt sich ein riesiges Heer von Arbeitskräften, deren Arbeit weitgehend unsichtbar, prekär und ständiger Überwachung unterworfen ist. In Kooperation mit südafrikanischen Freelancern untersucht „SABOTAGE“, wie gegenwärtige digitale Infrastrukturen historische und koloniale Muster von Ressourcenaneignung, Ausbeutung und Ungleichheit reproduzieren. Durch den Begriff der Sabotage erkundet Vitale Möglichkeiten des Widerstands, der Verweigerung und Handlungsmacht innerhalb von Strukturen, die menschliche Arbeit systematisch regulieren und kontrollieren sollen. Anhand von Film, Fotografie und skulpturalen Installationen verbindet „SABOTAGE“ die unsichtbaren Arbeitsprozesse des Digitalen mit ihren materiellen Konsequenzen, indem ein System freigelegt wird, das von rastloser Produktivität, Erschöpfung und Verschleiß gezeichnet ist.
 

Die Jury 2027 und ihre Begründungen:

Die diesjährige Jury setzt sich zusammen aus: Laia Abril (multidisziplinäre Künstlerin), Damarice Amao (Kuratorin für Fotografie am Musée National d'Art Moderne / Centre Pompidou), Verónica Fieiras (Künstlerin, Redakteurin und Herausgeberin von CHACO), Anne-Marie Beckmann (Deutsche Börse Photography Foundation) und Shoair Mavlian (The Photographers’ Gallery) als stimmberechtigte Vorsitzende.

Shoair Mavlian, Direktorin der Photographers’ Gallery:

„Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Preisverleihung veranschaulicht die Shortlist des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2027 erneut die Vielfältigkeit der Fotografie und zeigt, wie sie dazu genutzt wird, Ideen von Widerstand, Konflikt, Erinnerung und Identität in unserem gegenwärtigen Zeitalter sichtbar zu machen. Wir freuen uns, die Arbeit der Finalist*innen 2027 in der Photographers’ Gallery zu präsentieren.“

Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation:

„Von jahrhundertealten Fotoarchiven bis zu radikal zeitgenössischen Experimenten zeigt die Shortlist 2027, mit welcher Dringlichkeit die Fotografie auf die Herausforderungen unserer Zeit reagiert.
Die ausgewählten Projekte sind sowohl präzise durchdacht als auch tief berührend. Herzlichen Glückwunsch an die vier Künstler*innen, deren überzeugende Projekte die Grenzen der Fotografie erweitern.“

Anmerkung für die Redaktion:

Hier finden Sie eine Übersicht der Pressebilder. Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage die Bilder in druckfähiger Qualität zu.

Kontakt für die Medien:

Deutsche Börse Photography Foundation

The Photographers’ Gallery


Über die Deutsche Börse Photography Foundation

Die Deutsche Börse Photography Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich dem Sammeln, Ausstellen und Fördern von zeitgenössischer Fotografie widmet. Sie verantwortet die Weiterentwicklung und Präsentation der Art Collection Deutsche Börse, die mittlerweile über 2.400 fotografische Arbeiten von rund 180 Künstler*innen aus 40 Nationen umfasst. Auf ihren Ausstellungsflächen in Eschborn bei Frankfurt am Main zeigt die Stiftung mehrere Ausstellungen pro Jahr, die öffentlich zugänglich sind. Die Unterstützung junger Künstler*innen ist ihr ein besonderes Anliegen, sie fördert sie auf vielfältige Weise: mit Auszeichnungen, Stipendien oder durch die Beteiligung am Talent-Programm des Fotografiemuseum Amsterdam Foam. Gemeinsam mit der Photographers’ Gallery in London vergibt sie jährlich den renommierten Deutsche Börse Photography Foundation Prize. Des Weiteren unterstützt die Stiftung Ausstellungsprojekte internationaler Museen und Institutionen und fördert den wissenschaftlichen Dialog über das Medium Fotografie sowie die kuratorische Praxis.
www.deutscheboersephotographyfoundation.org

Über die Geschichte des Deutsche Börse Photography Foundation Prize

Der 1996 von der Photographers’ Gallery ins Leben gerufene Preis ist eine der renommiertesten internationalen Kunstauszeichnungen und hat über die Jahre die Karrieren zahlreicher Fotograf*innen begründet und gefördert. Der Preis, der früher unter dem Namen Citigroup Photography Prize bekannt war, wird seit 2005 zusammen mit der Deutsche Börse Group verliehen. Im Jahr 2016 wurde er in Deutsche Börse Photography Foundation Prize umbenannt, nachdem die Stiftung, die sich der Sammlung, Ausstellung und Förderung zeitgenössischer Fotografie widmet, als gemeinnützige Organisation gegründet wurde. Den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2026 gewann Rene Matić für die Ausstellung „AS OPPOSED TO THE TRUTH“, die 2024/2025 im CCA Berlin, Deutschland gezeigt wurde. Zu den bisherigen Preisträger*innen gehören: Lindokuhle Sobekwa, Lebohang Kganye, Samuel Fosso, Deana Lawson, Cao Fei, Mohamed Bourouissa, Susan Meiselas, Luke Willis Thompson, Dana Lixenberg, Trevor Paglen, Juergen Teller, Rineke Dijkstra und Adam Broomberg & Oliver Chanarin.

Über The Photographers’ Gallery

Die Photographers’ Gallery untersucht, wie Fotografie unsere heutige Welt verbindet, erobert und radikal verwandelt. Das Programm und die Räumlichkeiten – von den Ausstellungen, Vorträgen, Workshops und digitalen Angeboten bis zu den Galerien, dem Museumsshop und dem Café – befassen sich mit der Schönheit, Vielschichtigkeit und Zukunft der Fotografie. Unmittelbar vor der Gallery wird kostenfrei und rund um die Uhr das Beste der zeitgenössischen Fotografie im Soho Photography Quarter präsentiert.
www.tpg.org.uk