Redemanuskript des Vorstandsvorsitzenden

Erschienen am: 06.05.2026

Dr. Stephan Leithner
Deutsche Börse AG

Hauptversammlung 2026 der
Deutsche Börse Aktiengesellschaft

Frankfurt am Main, 13. Mai 2026

Die Redemanuskripte wurden am 6. Mai 2026 vorab veröffentlicht.
Es gilt, wie bei Vorabveröffentlichungen üblich, das gesprochene Wort.

Vorab veröffentlicht am 6. Mai 2026
Es gilt das gesprochene Wort


„KI-Ära“. „Deal“. „Das crazy“.

Das waren laut Sprachexperten die wichtigsten Wörter des letzten Jahres. Mit dem Jugendwort des Jahres. Gekürt haben sie die Gesellschaft für deutsche Sprache. Und der Langenscheidt-Verlag.

Sie stehen für neue Realitäten. Sie stehen für Umbruch. Technologisch. Geopolitisch. Gesellschaftlich. Sie stehen dafür, dass uns dieser Umbruch oft sprachlos macht. Und wir ihn nur noch „crazy“ finden. Nicht nur die Jugend.

Mit immer neuen Realitäten, mit Craziness, mit Umbruch umzugehen: Das ist erfolgskritisch. Dabei helfen wir unseren Kunden. Und als Deutsche Börse Group nutzen wir den Umbruch. Als Aufbruch. 

Gerade in diesen Zeiten sehen wir den Kapitalmarkt dafür als zentral an. Um Risiken zu managen. Um den Umbruch zu finanzieren. Um Investoren an neuen Geschäftsmodellen teilhaben zu lassen. Um große Herausforderungen wie die Altersvorsorge zu finanzieren. Dafür bauen wir die Infrastruktur der Zukunft. Für Zuverlässigkeit in einer fragmentierten Welt. Für ein stärkeres Europa. Wir integrieren neue Bausteine. Damit wachsen wir weiter. 

Wie genau wir wachsen? Wie wir ein starkes Ergebnis für Sie erzielen? Und wie wir damit zu einem starken Europa beitragen? Das möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Meine Damen und Herren!
Liebe Aktionärinnen und Aktionäre!

Willkommen zur Hauptversammlung Ihrer Deutsche Börse AG! Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen! Und komme gleich zur Sache. Mit unserem Rückblick. Für Sie und mich sicher einfacher: ohne Jugendsprache. 

Auch im Jahr 2025 haben wir noch einen draufgelegt. Ein erneutes Rekordergebnis in allen Dimensionen erzielt. Das achte Rekordergebnis in Folge. Wir haben die Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis um 9 Prozent gesteigert. Auf einen neuen Rekordwert: 5,2 Milliarden Euro. Genau wie angekündigt. Ohne Treasury-Ergebnis – das bedeutet ohne Zinseinnahmen. Denn diese Einnahmen können wir nicht direkt beeinflussen.

Die Zinsen sind im letzten Jahr gesunken. Und damit auch unsere Einnahmen daraus. Trotzdem haben wir auch unsere gesamten Nettoerlöse, inklusive Zinseinnahmen, gesteigert. Und das in einem nicht einfachen Umfeld. Nach einem Hoch im letzten April waren die Preisschwankungen an den Märkten sehr gering. Die Marktteilnehmer schraubten ihren Schutz vor Schwankungen im zweiten Halbjahr herunter. Das bedeutet für uns: Die Nachfrage nach Produkten zur Absicherung sinkt. Das zeigte sich vor allem am Derivatemarkt.

Dass wir trotzdem so stark gewachsen sind, hat einen einfachen Grund: Unser breites Angebot. Unser klarer Fokus auf die kritischen Trends der Zukunft. Unsere konsequenten Partnerschaften mit Kunden, aber auch führenden Technologiefirmen. All das macht uns stark. Es macht uns resilient. Vor allem weil die Bausteine eng verbunden sind. In unserem integrierten Geschäftsmodell.

Dabei ist unser integriertes Geschäftsmodell wie eine Kuppel. In einem Bogen angeordnet, stabilisieren sich die Steine gegenseitig. So können sie eine enorme Last tragen. Sie werden zu einer Gesamtheit. Die stärker ist als die Summe ihrer Teile. So können wir nach oben weiter bauen. Weiter wachsen.

Ein wichtiger Träger unseres Erfolgs ist die Verlässlichkeit. Die sich auch aus dem weiter steigenden Anteil wiederkehrender Erlöse ergibt. Hier liegen wir inzwischen bei fast zwei Dritteln. Dank langfristiger Kundenbeziehungen. Wir bieten Abonnements an. Wir bieten strategische Lösungen an. Die zu festen Verbindungen mit Kunden führen. Und nicht einfach austauschbar sind. Das heißt für uns: Beginnt ein neues Geschäftsjahr, wissen wir bereits, woher fast zwei Drittel unserer Erlöse kommen. 

Besonders freut mich: Der Anstieg unserer operativen Kosten lag bei nur 3 Prozent. Dadurch erhöhte sich unser Gewinn deutlich stärker. Und das bedeutet: Unser Geschäft skaliert. Unser Vorsteuergewinn EBITDA erhöhte sich ohne Treasury-Ergebnis um 14 Prozent. Auf 2,7 Milliarden Euro. Auch dies genau wie vorausgesagt. Kurzum: Wir haben geliefert. In einem schwierigen Jahr. Genau wie versprochen.

Dafür danke ich allen unseren mehr als 16.000 Kolleginnen und Kollegen weltweit. Wieder haben sie es geschafft, das Vorjahr zu übertreffen. Eine großartige Leistung! 

Wir verdanken diesen Erfolg auch Ihnen, meine Damen und Herren: unserem starken Aktionariat. Deshalb sollen Sie auch maßgeblich an diesem Erfolg teilhaben.

Damit komme ich zu einem wichtigen Punkt heute. Über den Sie entscheiden: die Dividende. Unser Wachstum ist Ihr Wachstum, meine Damen und Herren. Unsere Leitlinie lautet: Die Dividende liegt in einer Spanne von 30 bis 40 Prozent des Nettogewinns. Unser Versprechen ist: die Dividende pro Aktie jedes Jahr zu steigern. Für das Finanzjahr 2025 schlagen wir 4,20 Euro je Aktie vor. Das sind 5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und entspricht deutlich mehr als einem Drittel des Jahresüberschusses: 38 Prozent. Doch damit nicht genug. Auch über Aktienrückkäufe beteiligen wir Sie an unserem Erfolg. Unser Programm vom letzten Jahr haben wir wie geplant abgeschlossen. In diesem Jahr werden wir erneut Aktien im Wert von 500 Mio. Euro zurückkaufen. Damit schütten wir in diesem Jahr 1,3 Mrd. Euro an Sie aus. Ein neuer Rekord!

Und wir wollen weitere Rekorde erzielen. Auf Basis der Stärken, die wir seit unserem eigenen Börsengang vor 25 Jahren aufgebaut haben. Mit unserer Strategie. Unserem Bauplan „Leading the Transformation“. Wir wollen die Transformation der Kapitalmärkte anführen. Und wir sind bereits mittendrin. Mit unserer starken Leistung im ersten Quartal. Unsere Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis stiegen um 12 Prozent. Auf 1,434 Milliarden Euro. Das EBITDA ohne Treasury-Ergebnis erhöhte sich um 18 Prozent. Auf 803 Mio. Euro.

An unserem ehrgeizigen Wachstumsziel für das Gesamtjahr halten wir fest. Wir streben Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis von 5,7 Mrd. Euro an. Den Anstieg der operativen Kosten werden wir weiter auf rund 3 Prozent begrenzen. Daraus ergibt sich ein EBITDA ohne Treasury-Ergebnis von rund 3,1 Mrd. Euro. Für das Treasury-Ergebnis erwarten wir nun mehr als 700 Mio. Euro. Sie sehen: Wir sind auf Kurs, weiter zu wachsen!

Dafür haben wir ein unglaublich starkes Fundament. Den Grundstein unserer Erfolgsgeschichte haben wir in den 90er Jahren gelegt. Um die Gründungszeit der Deutsche Börse AG. Als Pionier im elektronischen Börsenhandel. Als Pionier eines integrierten Geschäftsmodells. Mit klaren globalen Ambitionen. Mit starker europäischer Verankerung.

Vor 25 Jahren haben wir dann das Gerüst aufgestellt, um weiterzubauen: mit unserem eigenen Börsengang. Unser Börsengang ist das beste Beispiel für die Kraft der Kapitalmärkte. Für uns war das Läuten der Börsenglocke damals das Startsignal für Transformation und Aufbruch. Und hat ganz neue Freiräume geschaffen.

Schauen wir auf unseren Börsenwert. Unsere Dividende. Es ging überall weiter steil nach oben. Dank Ihres Vertrauens! Wir haben ein integriertes Geschäftsmodell aufgebaut. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Finanzmärkte. Wir haben dafür gezielt zugekauft. In den letzten Jahren mit SimCorp zum Aufbau von Investment Management Solutions. Sobald wir die erforderlichen Freigaben haben mit Allfunds. Einem europäischen Champion für Fondsdienstleistungen. Mit dem wir weiter zu einer starken Altersvorsorge in Europa beitragen werden. 

Wir haben einen Stein auf den anderen gesetzt. Wir haben skaliert. Mit unseren Ingenieurinnen und Ingenieuren des Kapitalmarkts sind wir heute an über 60 Standorten weltweit vertreten. Sie führen die Transformation an. Diese 25 Jahre an Geschichte schrieben unseren Kolleginnen und Kollegen. Weltweit. Die Börsenglocke steht für den Aufbruch. Und unsere Entwicklung seither. Als Symbol haben wir die Glocke um die Welt getragen.

25 Jahre Deutsche Börse Group am Kapitalmarkt. Das ist eine Erfolgsgeschichte. Die letzten Wochen haben es wieder bewiesen: Wir stehen für Stabilität. Als wir Turbulenzen gesehen haben, wie es sie nie zuvor gab. Mit neuen Rekorden, etwa bei unserer Eurex. Stets haben unsere Systeme einwandfrei funktioniert. Wir sind die zentrale Säule des Kapitalmarkts. Das gilt auch für die Energiemärkte. Hier sorgen wir mit der European Energy Exchange auf dem Gasmarkt und mit der europäischen Strombörse EPEX Spot in Paris für Effizienz und Stabilität. 

Aber mehr noch. Wir haben immer Innovationen vorangetrieben. Denn wir haben eines gelernt: Wer die Zukunft gestalten will, darf nicht stehen bleiben. Die Kapitalmärkte verändern sich weiter rasant. Digitalisierung. Neue Anlageklassen. Veränderte Prioritäten bei Kunden. Geopolitische Umbrüche. Wer reagiert, verliert. Wer Standards setzt, führt. Wir stehen für Aufbruch in Zeiten des Umbruchs. 

Das ist der Kern unserer neuen Strategie „Leading the Transformation“. Um klar zu sein: Mit unserer Strategie setzen wir unseren Wachstumskurs fort. Bis 2028 wollen wir die Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis auf 6,5 Milliarden Euro steigern. Die Kosten wachsen dabei jährlich voraussichtlich nur um 3 Prozent. Unser Geschäft wird weiter skalieren. Auch über 2028 hinaus. Das entspricht unserem langfristigen Wachstumsgedanken. 

Wie schaffen wir das, in einem Zeitalter der Umbrüche? Unsere Strategie enthält vier Bausteine. Erster Baustein: Als Gruppe wachsen wir stark organisch. Basis dafür sind unsere Technologieführerschaft und strukturelle Trends. In jedem unserer Geschäfte. Dazu zählen die Verlagerung auf regulierte und transparente Plattformen. Der anhaltende Trend zum Outsourcing, dem Auslagern von Tätigkeiten. Weil sich unsere Kunden auf Ihre Hauptthemen konzentrieren müssen. Und natürlich die rasante Digitalisierung.

Unsere Clearstream ist mit D7 Vorreiterin bei der Digitalisierung von Finanzmarktinfrastruktur. Hier sind wir seit langem aus dem Versuchsstadium heraus. Über 3,5 Mio. Emissionen mit einem Volumen von 80 Mrd. Euro sprechen für sich. Und wir bieten Verwahrung von Kryptowerten an. Zusammen mit unserer Crypto Finance. Alles aus einer Hand!

Unsere Plattformen wachsen mit unveränderter Kraft. Bei Wertpapieren und Derivaten. Im Clearing. Aufgrund der überlegenen Liquidität. Und der regulatorischen Initiativen zur Stärkung der europäischen Autonomie. Wachstum ist auch bei 360T im Handel von Devisen angesagt. Ebenso bei der European Energy Exchange. In Europa und weltweit. Wie etwa der Erfolg bei Stromderivaten in Japan zeigt.

In einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld müssen sich unsere Kunden auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Wir helfen ihnen, effizienter zu werden. Eben durch Angebote für das Outsourcing. Und durch Direktanbindung an unsere Infrastruktur. Das sehen wir im Segment Securities Services. Wie auch im Fondsgeschäft. Bei SimCorp kommt der Trend zu Software-as-a-Service hinzu. Also Software im Abo-Modell. 

Als Pionier der Digitalisierung sind wir der ideale Partner. Wir sind Pionier in der Cloud-Nutzung. Gemeinsam mit führenden amerikanischen und europäischen Partnern. Wir waren in der Cloud, als andere noch nicht einmal daran dachten. Andere legen jetzt erst los. Wir sind inzwischen bei fast 80 Prozent in unseren Systemen. Auch den DAX berechnen wir inzwischen in der Cloud. 

Mit dieser Basis sind wir ideal aufgestellt, unser Geschäft weiter durch Künstliche Intelligenz zu stärken. Auch hier ist unser Anspruch, Vorreiter zu sein. Alle sprechen gerade von KI. Ein weiterer Umbruch. Vielen macht die neue Technologie Angst. Ich selbst kann aber aus eigener Erfahrung sagen: Je mehr wir uns damit beschäftigen, desto mehr Spaß macht sie. Sie eröffnet neue Potenziale. 

Natürlich stellt sie auch manche Geschäftsmodelle in Frage. Besonders wenn man die Augen verschließt. Als innovative Ingenieurinnen und Ingenieure bauen wir längst darauf. Wir setzen KI für effizientere Prozesse und Dienstleistungen ein. Und für noch mehr Mehrwert in unseren Produkten. KI ist für uns eine große Chance. Auch hier gilt: Standards setzen, statt sich anzupassen. Aufbruch wagen!

Zweiter Baustein unserer Strategie ist es, über den kurz- und mittelfristigen Horizont hinauszudenken. Unsere Stärke ist Langfristigkeit. Wir setzen frühzeitig auf neue Trends, um langfristiges Wachstum bis in die 2030er Jahre zu sichern. Indem wir zentrale Transformationsthemen anführen. 

Wir nutzen das Momentum für einen starken europäischen Kapitalmarkt. Wir liefern die passenden Bausteine für eine gemeinsame europäische Landschaft. Um global wettbewerbsfähig zu sein. Um die Kraft des Kapitalmarkts für unsere Wirtschaft zu nutzen. Dafür erweitern wir konsequent unseren Kundenfokus. Wir vertiefen unsere Partnerschaften mit der Buy-Side. Also Pensionsfonds und große Vermögensverwalter. Heute erwirtschaften wir mit diesen Kunden bereits über ein Drittel unserer Erlöse. Tendenz steigend. Und wir erschließen neue Kundengruppen. Wie die aufsteigenden Neobroker. Und Kunden aus der Krypto-Welt.

Denn wir übernehmen auch eine Führungsrolle bei neuen, schnell wachsenden Anlageklassen. Durch Partnerschaften mit führenden Spielern wie Bitpanda und Kraken. Auch beim Thema digitale Vermögenswerte. Wir haben mit amerikanischen und europäischen Stablecoin-Anbietern Kooperationen gestartet. Damit führen wir die traditionelle und die digitale Finanzwelt zusammen. Und erschließen neue Märkte. In Europa und weltweit. Bieten Mehrwert für unsere Kunden. Unsere bisherigen und neue. 

Wir gestalten die Umbrüche für einen Aufbruch in die Zukunft. Und wir ergänzen unser Wachstum durch Zukäufe. Den größten unserer Geschichte haben wir angekündigt. Mehr dazu gleich. 

Der dritte Strategie-Baustein treibt unsere Skalierung an. Das bedeutet: Konsequent die Digitalisierung für interne Effizienzen nutzen. Konsequent die Vorteile einer globalen Aufstellung für den Zugang zu Talenten nutzen. Und: Konsequent die Größenvorteile ausspielen. Ein zentrales Programm dafür heißt „OneGroup“, also „eine Gruppe“. Wir setzen noch stärker auf gemeinsame Plattformen, Abläufe und Arbeitsmodelle. Über die einzelnen Geschäfte hinweg. Um unser Wachstum zu unterstützen. Damit werden wir unsere Effizienz weiter steigern.
 
Der vierte Strategie-Baustein ist ein Kernthema für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre: klarer Wertfokus bei Investitionen, Kapitaleffizienz und attraktive Renditen. Unseren Dividenden-Vorschlag kennen Sie. Unsere Rekord-Ausschüttung ebenso. Wir werden unsere Dividende konsequent weiter steigern. Neu ist, dass wir Aktienrückkäufe künftig ebenfalls als festen Bestandteil unserer Kapitalverwendung sehen.

Zusammengefasst: Mit diesen vier Bausteinen unsere Strategie führen wir die Transformation der Kapitalmärkte an. Mit unserem Fokus auf organischem Wachstum. Auf Transformations-Themen. Mit einem gestärkten Betriebsmodell. Und einer gezielten Kapitalallokation. So bauen wir die Märkte der Zukunft.

Sinnvolle Übernahmen ergänzen unsere Strategie, wo immer sich dies anbietet. Damit unsere Kuppel weiter wächst. Deshalb wollen wir unsere Rolle als europäischer Champion jetzt auch im Fondssektor weiter stärken. Mit der Übernahme von Allfunds.

Wenn sie abgeschlossen ist, wird Allfunds die größte Übernahme in der Geschichte der Deutsche Börse Group sein. Allfunds ergänzt ideal unser bestehendes Angebot für Fonds-Services der Clearstream.  
Mit der Übernahme bauen wir eine echte paneuropäische Plattform. So können wir Hindernisse für grenzüberschreitende Investitionen abbauen. Dadurch erhalten Investoren leichter Zugang zu einem breiteren Spektrum an Fonds in ganz Europa. Auch Privatanleger können einfacher in produktive Anlagen investieren. Vor wenigen Jahren noch konnten Sie bei ihrer Hausbank nur die eigenen Produkte beziehen. Stellen Sie sich vor: Ein Supermarkt würde nur seine Eigenmarken anbieten. Das schränkt ihre Auswahl ein. Ihre Freude beim Einkauf. Und lähmt den fairen Wettbewerb. Das ist Vergangenheit. Über unsere Fondsplattform Clearstream Fund Services haben wir diese Dienstleistung demokratisiert. Dadurch stärken wir auch die Infrastruktur für Altersvorsorge. Für die bilden Fonds und ETFs die zentrale Grundlage.

All das hat auch die europäische Spar- und Investitionsunion zum Ziel. Einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt schaffen. Um Investitionen freizumachen. Und sie produktiv einzusetzen. Für unsere Zukunft.

Darüber hinaus ermöglicht uns die Übernahme, neue digitale Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Dadurch stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der europäischen Finanz-Infrastruktur. Sie sehen: Dieser Zukauf ergibt in vielerlei Hinsicht Sinn. Natürlich müssen die zuständigen Behörden noch zustimmen. Wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten.

Und Sie merken hier schon, wie gesellschaftlich relevant der Kapitalmarkt ist. Lassen Sie mich das vertiefen. Mit zwei Themen, die mir besonders am Herzen liegen: Europa und die Altersvorsorge. Beides gehört zusammen. Denn bei beiden geht es darum, das Potenzial des Kapitalmarkts zu nutzen. Für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.

Ich bin überzeugter Europäer. Und ich bin mir sicher: Für eine starke europäische Wirtschaft und eine stärkere Autonomie brauchen wir einen starken Kapitalmarkt. Gerade im Vergleich zum amerikanischen Kapitalmarkt müssen wir aufholen. Das bedeutet: Wir brauchen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Arten von Handelsplätzen. Momentan findet nur 30 Prozent des Handels auf transparenten Handelsplätzen statt. Wie unsere Börse. In den USA sind es 50 Prozent. Da müssen wir hin. Denn nur diese transparenten Plätze tragen auch zur Finanzierung von Wachstum bei. Etwa durch Börsengänge.

Europa muss bei der Regulierung wieder Vorreiter werden. Das heißt auch: Keine unnötige Bürokratie. Kein Goldplating, also keine Verschärfung europäischer Vorgaben durch nationale Zusätze. Oder Bürokratie auf mehreren Ebenen. Wir brauchen zukunftsfähige Wettbewerbsbedingungen für die Finanzbranche. Gerade mit Blick auf Innovationen. Digitale Lösungen. Und den Kryptomarkt. Parallel müssen wir Komplexität verringern. Gerade für innovative Unternehmen. Die Kapital für Wachstum und Skalierung brauchen! Damit Europa neue Weltmarktführer hervorbringen kann. Staatliche Förderung ist ein sinnvolles Werkzeug. Aber wir brauchen viel mehr. Wir müssen die volle Hebelwirkung des Kapitalmarkts nutzen! 

Da reicht es für Europa nicht, einfach mehrere Börsen zu konsolidieren und das gleiche Handelssystem einzuführen. Wir brauchen die passenden Rahmenbedingungen. Und starke, wettbewerbsfähige europäische Infrastrukturen. Integrierte Lösungen. Wie wir sie bei der Deutsche Börse Group in den letzten 30 Jahren aufgebaut haben. Für ein starkes Europa brauchen wir aber auch mehr Kapital. Mehr Liquidität.

Das werden wir nur erreichen, wenn wir uns viel stärker als bisher von innen heraus finanzieren. Momentan profitieren vor allem ausländische Kapitalanleger vom Wachstum der erfolgreichen europäischen Unternehmen. Glückwunsch an die Lehrerinnen und Lehrer in Texas! Sie haben über ihren Pensionsfonds von den DAX-Rekorden der letzten beiden Jahre profitiert. Es ist toll, dass es dieses Interesse gibt. In Deutschland hingegen legt nur jeder Fünfte in Aktien und Fonds an. Das reicht nicht!

Als Deutsche, als Europäer müssen wir selbst stärker am Kapitalmarkt aktiv werden. Wir müssen unsere Sparvermögen endlich produktiv einsetzen. Wir müssen großen deutschen und europäischen Investoren wie Asset-Managern oder Pensionsfonds mehr Freiheit bei ihren Anlageentscheidungen geben. Wir waren in Europa lange zu zögerlich unterwegs. Der Schritt von der Kapitalmarktunion zur Spar- und Investitionsunion ist nicht nur ein sprachlicher Schritt. Er zeigt ein neues Bewusstsein.

Allen ist klar: Wir müssen Investitionen am Kapitalmarkt attraktiver machen. Wachstumsfinanzierung und Altersvorsorge sind zwei Seiten einer Medaille.

Der Kapitalmarkt fördert nicht nur Wachstum. Sondern auch Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. Und damit Wohlstand. Der Kapitalmarkt ermöglicht damit eine zukunftsfähige Finanzierung der Altersvorsorge. Und Altersvorsorge ist für mich ganz klar eine Frage der sozialen Gerechtigkeit! So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Der Staat kann nicht immer größere Milliardenbeträge aufbringen, um die Löcher in der Rentenkasse zu stopfen. Diese Gelder fehlen dann. Bei Infrastruktur, Bildung und Verteidigung.

Manche Länder haben das Thema längst in Angriff genommen. Und sind nun Vorbild. Schweden, die Schweiz. Oder die Niederlande. Weitere folgen mit schnellen Schritten.

Deutschland muss sein System der Altersvorsorge jetzt umbauen. Sonst wird das bestehende System mit seiner schwerpunktmäßigen Umlagelösung früher oder später aus dem Gleichgewicht kommen. Die maßgeblichen Bausteine für den Umbau müssen vom Kapitalmarkt kommen. Die gesetzliche Rente als wichtiger Pfeiler bleibt erhalten. Aber auch hier gibt es Anpassungsbedarf. Vor allem aber müssen die anderen beiden Säulen weiterentwickelt werden: In der betrieblichen und in der privaten Altersvorsorge muss der Kapitalmarkt eine deutlich stärkere Rolle spielen. Erst dann ergeben alle drei Pfeiler zusammen ein zukunftsfähiges, sozial gerechtes System.

Die Bundesregierung hat mit der Frühstartrente und dem Altersvorsorgedepot erste wichtige Impulse gesetzt. Ich bin optimistisch, dass weitere folgen werden. Denn es braucht noch mehr! Warum nutzen wir nicht deutlich stärker den Zinseszins-Effekt? Und geben wie von uns vorgeschlagen jedem Kind bei der Geburt 4.000 Euro ins Depot? Oder wir nehmen uns ein Beispiel an den USA und öffnen das angedachte Altersvorsorgedepot: In den USA können Großeltern bis zu 5.000 US-Dollar in das Depot der Enkel zuzahlen. Das ist einfach und wirkungsvoll. Warum haben in Deutschland nur rund die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung eine betriebliche Altersvorsorge? In den Niederlanden oder in der Schweiz sind es 90 Prozent und mehr. Die betriebliche Altersvorsorge gehört in jeden Arbeitsvertrag. Gewerkschaften und Arbeitgeber sind hier gefragt. Ich sehe auf beiden Seiten große Bereitschaft.

Das Momentum ist da. In der Politik und bei den Bürgerinnen und Bürgern. Die junge Generation hat längst begriffen, dass sie ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen muss. Gerade bei den Unter-Vierzig-Jährigen sehen wir deutliche Anstiege bei ETF-Sparplänen. Und die eröffnen auch gleich Depots für ihre Kinder. Obgleich die Frühstartrente erst 2027 kommt. Und das Konzept bisher nur als Idee existiert.

Wir als Deutsche Börse Group haben dafür geliefert. Wir haben den Eckstein für eine starke Infrastruktur in Europa gelegt. Mit unseren Angeboten zu Fonds, ETFs und unseren europäischen Leitindizes. Mit dem Zukauf von Allfunds heben wir das alles auf eine neue Ebene. Als Ingenieurinnen und Ingenieure des Kapitalmarkts bauen wir die Infrastruktur für ganz Europa. Ein Kapitalmarkt, der für alle da ist. Wir führen den Aufbruch in die Zukunft an. Doch Sie alle wissen: Eine erfolgreiche Baustelle braucht viele Hände. Und Köpfe.

Nun sind Berlin und Brüssel gefragt. Sie können den Bau des gemeinsamen Kapitalmarkts endlich vollenden. Für ein zukunftsfähiges Europa. Für unser Wachstum. Unsere Wettbewerbsfähigkeit. Und unseren Wohlstand. Lassen Sie uns das Momentum nutzen – gemeinsam!

Meine Damen und Herren! Sie sehen: Wir liefern zuverlässige Infrastruktur, wenn es turbulent ist. Wir wachsen strukturell. Wir treiben die Transformation voran.

Es bleibt crazy. Wir bleiben cool. Helfen unseren Kunden, Unsicherheit zu managen. Und bauen weiter. Im Namen des gesamten Vorstands danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen! Und jetzt freuen wir uns auf den Austausch mit Ihnen.