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Ertragslage

Prognosebericht – Entwicklung der Ertragslage

Die Gruppe Deutsche Börse sieht sich mit ihrem diversifizierten Geschäftsmodell und ihren vielfältigen Erlösquellen weiterhin in einer sehr guten Position und rechnet mittel- und langfristig mit einer positiven Entwicklung ihrer Ertragslage. Diese Erwartung basiert u. a. auf den strukturellen Wachstumschancen, die das Unternehmen nutzen wird. Für den Prognosezeitraum erwartet die Gruppe einen weiteren Anstieg der Nettoerlöse. Diese Annahme basiert im Wesentlichen auf weiter steigenden Beiträgen aus ihren strukturellen Wachstumsinitiativen sowie der Nutzung von neuen Wachstumschancen (für Details siehe den Chancenbericht). Zudem könnten Spekulationen der Marktteilnehmer über die künftige Zinsentwicklung in den USA und Europa den Handel von Zinsderivaten an der Terminbörse Eurex im Jahr 2019 weiter beflügeln und die gestiegenen bzw. möglicherweise weiter steigenden US-Zinsen könnten zu einem neuerlichen Anstieg der Nettozinserträge aus dem Bankgeschäft des Segments Clearstream (Nachhandel) führen. Aussagen zur weiteren Entwicklung der im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich gestiegenen Aktienmarktvolatilität lassen sich zum Jahresauftakt 2019 nur schwer treffen. Auf der einen Seite rechnet das Unternehmen weiterhin mit einer hohen Unsicherheit an den Märkten, u. a. aufgrund zahlreicher ungelöster politischer Probleme. Auf der anderen Seite hat die Vergangenheit gezeigt, dass ein zu hohes Maß an Unsicherheit auch zu einer deutlichen Zurückhaltung der Marktteilnehmer und damit geringen Handelsvolumina führen kann. Aufgrund der Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums, gestiegener ökonomischer Risiken sowie der politischen Unwägbarkeiten, insbesondere in Europa, sind die Erwartungen des Unternehmens an das Marktumfeld des Geschäftsjahres 2019 etwas verhaltener im Vergleich zu 2018.

Wie bereits für 2018 erwartet die Gruppe Deutsche Börse auch im Prognosezeitraum einen Anstieg der Nettoerlöse aus strukturellen Wachstumschancen von mindestens 5 Prozent. Dieses Wachstum treibt die Gruppe durch Investitionen voran. Dabei verfolgt sie das Ziel, weitere Marktanteile aus dem außerbörslichen Handel und Clearing in den börslichen Bereich zu verlagern sowie durch die Einführung neuer Produkte und Funktionalitäten ihre Positionen in bestehenden Anlageklassen weiter auszubauen (siehe den Chancenbericht). Demgegenüber hängt die Entwicklung der von zyklischen Faktoren abhängenden Geschäftsfelder maßgeblich vom Grad der Spekulation hinsichtlich der künftigen Zinsentwicklung in Europa, sowie der Höhe der Aktienmarktvolatilität ab. Hierbei können sich sowohl weitere positive als auch negative Auswirkungen auf das Wachstum der Nettoerlöse der Gruppe ergeben. Die Basis für das erwartete Nettoerlöswachstum im Prognosezeitraum bilden die 2018 erreichten bereinigten Nettoerlöse in Höhe von 2.770,4 Mio. €.

Sollten sich die Rahmenbedingungen wider Erwarten wesentlich ungünstiger entwickeln als eingangs beschrieben und die Kunden, insbesondere in den von der Entwicklung der Handelsvolumina abhängigen Geschäftsbereichen, ihre Geschäftsaktivitäten deutlich zurückfahren, sieht sich die Gruppe Deutsche Börse aufgrund ihres erfolgreichen Geschäftsmodells sowie ihrer Kostendisziplin dennoch in der Lage, ihr Geschäft weiterhin sehr profitabel zu betreiben.

Im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie verfolgt die Gruppe Deutsche Börse klar definierte Prinzipien zur Steuerung der operativen Kosten. Kernbestandteil dieser Prinzipien ist es, die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells der Gruppe zu gewährleisten. Um dies zu erreichen, steuert das Unternehmen die um Sondereffekte bereinigten operativen Kosten kontinuierlich in Abhängigkeit von der Entwicklung der Nettoerlöse. Die notwendige Flexibilität bei der Steuerung der operativen Kosten erreicht die Gruppe im Wesentlichen durch zwei verschiedene Initiativen zur Verbesserung der operativen Effizienz. Zum einen hat das Unternehmen einen kontinuierlichen Prozess zur Verbesserung der operativen Abläufe implementiert. Durch die stärkere Berücksichtigung der Kundenbedürfnisse werden die Qualität und Effizienz der angebotenen Dienstleistungen ständig weiter optimiert. Gleichzeitig führt dies dazu, dass gruppeninterne Prozesse vereinfacht und Kosten eingespart werden. Zum anderen hat das Unternehmen im Jahr 2018 eine Reihe von strukturellen Kostenreduktionen beschlossen und mit der Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen begonnen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses zusammengefassten Lageberichts rechnet das Unternehmen bei den operativen Kosten mit Sondereffekten im laufenden Geschäftsjahr in Höhe von rund 100 Mio. €. Diese werden mehrheitlich auf Kosten für Restrukturierungs- und Effizienzmaßnahmen, Kosten in Zusammenhang mit bestehenden strafrechtlichen Ermittlungen sowie auf die Integration bereits akquirierter Unternehmen entfallen.

Aufgrund des erwarteten Anstiegs der strukturell getriebenen Nettoerlöse von mindestens 5 Prozent, der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und des effizienten Kostenmanagements wird für den bereinigten Periodenüberschuss, der den Anteilseignern der Deutsche Börse AG zuzurechnen ist, im Prognosezeitraum mit einem Wachstum von rund 10 Prozent gerechnet. Sofern sich die Aktienmarktvolatilität gegenüber 2018 nicht deutlich verringert, könnte das Wachstum des bereinigten Periodenüberschusses auch etwas höher ausfallen. Gleichzeitig könnte bei einem Rückgang der Aktienmarktvolatilität im Vergleich zu 2018 trotz der Möglichkeit, dass bei den operativen Kosten gegensteuernd eingegriffen werden kann, das Wachstum des Periodenüberschusses etwas weniger als 10 Prozent betragen. Basis für diese Prognose ist der bereinigte Wert von 1.002,7 Mio. € im Jahr 2018. Zudem bestätigt die Gruppe im Rahmen der „Roadmap 2020“ ihre mittelfristigen Wachstumsziele von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent pro Jahr für den bereinigten Periodenüberschuss, der den Anteilseignern der Deutsche Börse AG zuzurechnen ist.

Prognose der Ertragslage für 2019

 Basis 2018
Mio. €
Prognose 2019
Nettoerlöse aus strukturellen Wachstumschancen (ohne Sondereffekte)2.770,4>5% Wachstum
Sondereffekte bei den operativen Kosten244,2~100 Mio. €
Periodenüberschuss, der den Anteilseignern der Deutsche Börse AG zuzurechnen ist (ohne Sondereffekte)1.002,7~10% Wachstum

Segment Eurex (Finanzderivate)

Die Gruppe Deutsche Börse geht davon aus, dass strukturelle Wachstumsfaktoren langfristig zu einem Anstieg der Handelsvolumina im Markt für Finanzderivate über alle Produktsegmente hinweg führen wird (für Details siehe den Chancenbericht). Kurzfristig könnte eine weitere Zunahme der Aktienmarktvolatilität zu einem deutlicheren Anstieg der Handelsvolumina führen, insbesondere im Bereich der Aktienindexderivate. Spekulationen hinsichtlich der Geldmarktpolitik, insbesondere in Europa, könnten sich zudem positiv auf den Handel von Zinsderivaten auswirken.

Im Prognosezeitraum wird Eurex weiter konsequent in den Ausbau des Produktangebots investieren, um von strukturellen Treibern wie Regulierung und veränderten Kundenbedürfnissen zu profitieren. Der Schwerpunkt wird darauf liegen, Geschäft zu gewinnen, das derzeit noch nicht börslich gehandelt oder über ein Clearinghaus abgewickelt wird. Regulatorische Anforderungen, wie z. B. die 2016 endgültig in Kraft getretene Vorgabe, OTC-Derivategeschäfte über eine zentrale Gegenpartei zu verrechnen, können dabei wesentliche Impulse setzen. Die Gruppe plant die Nettoerlöse aus dem OTC-Derivategeschäft 2019 weiter zu steigern. Mittel- bis langfristig erwartet die Gruppe, in diesem Geschäft erhebliche Erlöse erwirtschaften zu können, nicht zuletzt aufgrund des zusätzlichen Potenzials, welches sich aus der Unsicherheit über den Ausgang des laufenden Brexit-Prozesses und den möglicherweise daraus resultierenden Veränderungen für das Clearing von Euro-denominierten Zinsswaps ergeben könnte.

Segment EEX (Commodities)

Aufgrund des anhaltend positiven Marktumfelds für den Handel mit Strom- und Gasprodukten erwartet die Gruppe für den Prognosezeitraum, dass die Geschäftsaktivität im Commodities-Sektor strukturell weiter steigen wird, u. a. durch den Gewinn von Marktanteilen zu Lasten der OTC-Energiemärkte und durch einen weiteren Anstieg des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion.

Segment 360T (Devisenhandel)

Im Devisenhandel erwartet die Gruppe, dass die steigende Nachfrage nach Plattformen, an die mehrere Banken angebunden sind, zu einem weiteren Anstieg der Handelsvolumina an der Devisenhandelsplattform 360T® im Jahr 2019 führen wird. Diese hat mit der Einführung des vollelektronischen Devisenhandels und des Clearings weiter an Attraktivität gewonnen. Das Unternehmen rechnet daher im laufenden Geschäftsjahr damit, die mit der Akquisition von 360T angestrebten Umsatzsynergien zunehmend zu realisieren.

Segment Xetra (Wertpapierhandel)

Neben der Weiterentwicklung des Kassamarktes wird das Unternehmen auch künftig Veränderungen im wettbewerblichen Umfeld in Europa aufmerksam verfolgen. Das Unternehmen sieht sich gut positioniert, um Marktführer im Handel deutscher Bluechip-Aktien zu bleiben und seinen Kunden weltweit ein attraktives Spektrum von Produkten und Services für den Kassahandel in deutschen und europäischen Aktien sowie für das Aktienclearing anzubieten. Aufgrund des gestiegenen Wettbewerbs im Kassamarkt ist nicht auszuschließen, dass sich die Marktanteile aller Wettbewerber in den kommenden Jahren verschieben werden. Im Segment Xetra (Wertpapierhandel) wird die Entwicklung der Nettoerlöse im Prognosezeitraum maßgeblich von den zyklischen Trends an den Aktienmärkten und deren Volatilität abhängen.

Segment Clearstream (Nachhandel)

Vor dem Hintergrund steigender regulatorischer Anforderungen und der starken Position im TARGET2-Securitites (T2S)-Netzwerk erwartet Clearstream mittel- bis langfristig ein Wachstum der Nachfrage nach seinen T2S-Dienstleistungen. Nachdem sich Clearstream 2017 an T2S angebunden hat, geht die Gruppe erst für 2019 von einem moderaten Beitrag dieser Aktivitäten zu den Nettoerlösen aus. Dies ist u. a. auf die langsamere Anbindung von Kunden im Vergleich zur ursprünglichen Planung zurückzuführen. Auch im Prognosezeitraum wird die Geldmarktpolitik der Zentralbanken das Geschäft von Clearstream beeinflussen. Trotz des Auslaufens des Ankaufprogramms von Staats- und Unternehmensanleihen durch die EZB im abgelaufenen Jahr könnte sich die Zinspolitik weiter dämpfend auf die Emissionstätigkeit im Wertpapierbereich auswirken. Sollte die Geldmarktpolitik wider Erwarten restriktiver werden, hätte dies positive Folgen für die Emissionstätigkeit und die Nettozinserträge im Bankgeschäft. Der seit Ende 2016 anhaltende Trend steigender Zinsen in den USA wird die Nettozinserträge 2019 – bei unverändertem Liquiditätsbestand – steigen lassen, da ein signifikanter Teil der Kundengelder in US-Dollar gehalten wird.

Die Gruppe Deutsche Börse steht im Bereich der Abwicklung und Verwahrung von internationalen Anleihen in einem besonders intensiven Wettbewerb, rechnet für den Prognosezeitraum aber dennoch nicht mit größeren negativen Auswirkungen des Wettbewerbs auf ihre Nettoerlöse bzw. Marktanteile.

Segment IFS (Investment Fund Services)

Der Clearstream-Teilkonzern deckt das gesamte Fondsportfolio – von traditionellen Investmentfonds über börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) bis zu Hedgefonds ab. Da auch die Aufsichtsbehörden effizientere Abwicklungs- und Verwahrlösungen fordern, um höchste Sicherheit für das verwahrte Kundenvermögen zu gewährleisten, erwartet die Gruppe Deutsche Börse, weitere Kundenportfolios zu gewinnen. Entsprechend rechnet das Segment IFS (Investment Fund Services) aufgrund der Attraktivität seiner Fondsdienstleistungen mit einer Fortsetzung seines Wachstums im Prognosezeitraum.

In Bezug auf die Kundenstruktur geht das Segment davon aus, dass sich die Konsolidierung in der Finanzbranche fortsetzen wird und sich Kunden im nationalen und internationalen Geschäft von Clearstream zusammenschließen werden. Die dann größeren Kunden würden von höheren Rabatten profitieren, was zu einem Rückgang der durchschnittlichen Entgelte führen könnte.

Segment GSF (Sicherheitenmanagement)

Im Prognosezeitraum wird die Geldmarktpolitik der Zentralbanken das Sicherheitenmanagement, insbesondere die Aktivität im Repogeschäft aber auch im Bereich Wertpapierleihe, weiterhin maßgeblich beeinflussen. Trotz des Auslaufens des Ankaufprogramms von Staats- und Unternehmensanleihen durch die EZB könnte sich die Zinspolitik weiter dämpfend auf das Liquiditätsmanagement auswirken. Diese zyklische Entwicklung könnte durch eine positive Veränderung des Produktmixes teilweise kompensiert werden. Sollte die Geldmarktpolitik wider Erwarten restriktiver werden, hätte dies positive Folgen für die Nutzung der Dienstleistungen im Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement.

Segment STOXX (Indexgeschäft)

Im Prognosezeitraum rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Anstieg der Nettoerlöse im Bereich STOXX. Diese Erwartung beruht auf der kontinuierlichen Erweiterung der Produktpalette in allen Bereichen und der zunehmenden Vermarktung dieser Produkte in Wachstumsregionen. Von dieser Entwicklung sollte insbesondere das Indexgeschäft der Gruppe profitieren. Zudem sieht die Gruppe in dem strukturell deutlich wachsenden Markt für passiv verwaltete Vermögen einen zusätz-lichen Wachstumstreiber, der die Nachfrage nach Indexlizenzen für ETFs weiter stärken sollte. Neben dem Vertrieb der Indexlizenzen partizipiert die Gruppe auch an wachsenden Anlagevolumina in diesen Produkten. Die Gruppe sieht sich vor diesem Hintergrund gut aufgestellt, ihre global ausgerichtete Indexpalette zunehmend auch im asiatischen Markt positionieren zu können.

Segment Data (Datengeschäft)

Ziel des Segments ist der beschleunigte Ausbau der Technologieführerschaft und der Expertise im Marktdatenbereich, indem alle entsprechenden Kräfte im Unternehmen in einer eigenen, marktorientierten Geschäftseinheit zusammengeführt sind. Dies soll mittel- bis langfristig neue Wachstumspotenziale eröffnen. Im Prognosezeitraum erwartet das Segment zusätzliches Wachstum im Zuge des 2018 eingeführten Regulatory Reporting Hub. Er wurde in Zusammenarbeit mit den Kunden der Gruppe entwickelt und bietet diesen gebündelt Lösungen für deren Reportingverpflichtungen gemäß MiFID II.

 

Weiterentwicklung der Preismodelle

Für den Prognosezeitraum rechnet die Gruppe Deutsche Börse mit anhaltendem Preisdruck in einigen ihrer Geschäftsbereiche. Das Ziel des Unternehmens ist dabei, den Preisdruck über die kontinuierliche Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen sowie über selektive Anreize für preiselastisches Geschäft abzufedern.

Langfristig gesehen ist damit zu rechnen, dass die durchschnittlichen Nettoerlöse pro relevanter Einheit (z. B. Handels- oder Clearingentgelte pro Transaktion oder Entgelte für Verwahrdienstleistungen) in allen Bereichen der Gruppe leicht zurückgehen. Dies resultiert aus den gestaffelten Preismodellen, die bei einem Wachstum der Geschäftsaktivität der Kunden dazu führen, dass der Ertrag pro Einheit zurückgeht.