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Partnerschaften als Schlüssel für die Zukunft

02. Nov 2019

Partnerschaften als Schlüssel für die Zukunft

Zusammenarbeit am richtigen Ort lohnt sich − Innovationskraft und Qualität machen Luxemburg auch künftig zum attraktiven Finanzplatz für Investitionen

Im Nachhandelsbereich der Gruppe Deutsche Börse spielt Clearstream mit Sitz in Luxemburg für das weltweite Geschäft eine zentrale Rolle. Konkret geht es dabei um die Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren sowie das Geschäft mit Investmentfonds. Grundlage hierfür ist die langfristige Positionierung von Luxemburg als Innovationsstandort. Auch vor diesem Hintergrund erfolgte die Gründung der Vorläuferorganisation von Clearstream (Cedel) als Partnerschaft von 66 Finanzinstitutionen vor fast 50 Jahren. Heute ist das aktuelle Marktumfeld geprägt von Herausforderungen wie Digitalisierung, wirtschaftlichem Wandel und geopolitischen Unsicherheiten. Doch Innovationskraft und die Qualität als Standort für starke Partnerschaften werden Luxemburg für die Deutsche Börse und andere maßgebliche Akteure auch weiterhin zum attraktiven Finanzplatz für Investitionen machen.

Vertrauen und partnerschaftliches Handeln sind seit jeher Grundvoraussetzung für funktionierende Märkte. Dies gilt in besonderem Maße für den Finanzmarkt. Nur wenn Marktteilnehmer ein gemeinsames Verständnis hinsichtlich der geltenden Standards haben und auf diese vertrauen können, sind langfristige, für alle Seiten wertstiftende Handelsbeziehungen möglich. Davon bin ich und davon sind wir bei der Deutschen Börse und unseren Tochterunternehmungen fest überzeugt. Genau diese Überzeugung lag auch bereits im Jahr 1970 der Gründung von Cedel als Vorgänger von Clearstream zugrunde. Ziel war es, international einheitliche Standards für den grenzüberschreitenden Wertpapierhandel zu schaffen.

Heute ist ein partnerschaftlicher Ansatz wichtiger denn je. Der Brexit und internationale Handelskriege untergraben den Gedanken einer freien Weltwirtschaft. Geopolitische Machtverschiebungen haben die Karten im Konzert der Mächte neu gemischt. Und neue disruptive Technologien sind im Begriff, ganze Wirtschaftszweige von Grund auf umzukrempeln. Die aktuellen wirtschaftlichen, politischen und technologischen Umwälzungen stellen Unternehmen wie Staaten vor immense Herausforderungen, die aufgrund ihrer globalen Dimension kaum mehr allein zu bewältigen sind.

Wie wertstiftend Zusammenarbeit angesichts dieser Herausforderungen sein kann, zeigt das Beispiel Luxemburg. Dank der engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Marktteilnehmern, Politikern, Regulatoren und Infrastrukturanbietern wie Clearstream konnte der luxemburgische Finanzplatz die Finanzkrise von 2008 rasch hinter sich lassen. Heute zählt Luxemburg trotz aller wirtschaftlichen wie politischen Unsicherheiten zu den global führenden Standorten für das Geschäft mit Investmentfonds. Clearstream ist dabei einer der bedeutendsten Infrastrukturanbieter in dem Bereich und ein wichtiger Motor des florierenden luxemburgischen Finanzplatzes.

Der Partnerschaftsgedanke ist fest in unserer DNA und Unternehmensstrategie verankert und prägt unser Handeln auf allen Ebenen - auch, wenn es darum geht, den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen. Denn gerade in einem seit jeher informationsintensiven Sektor wie der Finanzindustrie bleibt im Zuge des digitalen Wandels kein Stein auf dem anderen.

Wegweisende Technologie

Eine wegweisende Technologie, die den Finanzsektor weiter maßgeblich prägen wird, ist die "Distributed-Ledger-Technologie" (DLT), häufig auch einfach gleichgesetzt mit Blockchain. Gerade DLT verspricht als Technologie mehr Transparenz und Sicherheit im Markt und hat das Potenzial einer grenzübergreifenden Harmonisierung von Plattformen in bestimmten Bereichen. Darüber hinaus erweitert die Digitalisierung von Assets das Anlageuniversum grundlegend. Weltweit arbeiten Finanzinstitute darum inzwischen an konkreten Anwendungen, um das vielbeschworene Potenzial von DLT in der Praxis zu realisieren.

Und wie so oft zeigen sich hier erst die eigentlichen Herausforderungen, denn neue Technologien werden nie im luftleeren Raum eingeführt. Gerade der Finanzsektor ist durch einen hohen Grad an Regulierung sowie eine komplexe technische Infrastruktur gekennzeichnet. Der Schlüssel zum Erfolg liegt auch hier in den richtigen institutionellen Rahmenbedingungen und einem partnerschaftlichen Ansatz sowie im kollaborativen Zusammenspiel der "neuen" und der "alten Welt". Konkret bedarf es für Blockchain und auf sogenannten Tokenized Assets basierte Marktkonzepte der richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen - hier hat Luxemburg frühzeitig gehandelt.

Darüber hinaus bedarf es aber eines Umfelds, in dem sich die Innovationskraft und Agilität von Start-ups und Fintechs entfalten kann. Um eine neue Technologie reibungslos in die stark regulierten und komplexen Infrastrukturen des globalen Finanzmarktes zu integrieren, sind Partnerschaften mit etablierten Institutionen, die über stabile, funktionierende Systeme und das notwendige Know-how beim Aufbau, der Integration und dem regulierungskonformen Betrieb komplexer Technologien verfügen und hierfür das Vertrauen des Marktes haben, erforderlich. Luxemburg liefert genau diese Kombination.

Ein Vorzeigebeispiel für die Zusammenarbeit zwischen einem Start-up und einem etablierten Finanzinstitut, bei der sich die Stärken beider Seiten optimal ergänzen, ist unsere Kooperation mit dem Luxemburger Fintech HQLAx. Gemeinsam mit HQLAx, das auf Lösungen für das Liquiditäts- und Sicherheitenmanagement auf den internationalen Wertpapierleihe- und Repo-Märkten spezialisiert ist, hat die Deutsche Börse basierend auf der Distributed-Ledger-Technologie ein innovatives Modell für Collateral Swaps in der Wertpapierleihe entwickelt. Anders als bei der herkömmlichen Abwicklung werden auf der neuen Plattform statt der Wertpapiere sogenannte Tokens zwischen den Verwahrkonten übertragen. Marktteilnehmern bietet dieses Modell aufgrund der dadurch erhöhten Mobilität der Sicherheiten zwischen verschiedenen Systemen und Orten ein effizienteres Liquiditätsmanagement.

Ende September hat HQLAx bei Transaktionssimulationen mehrerer internationaler Banken wie der Commerzbank und der ING erfolgreich die Praxistauglichkeit der Plattform unter Beweis gestellt. Clearstream wird im Rahmen der Partnerschaft als einer von mehreren Verwahrern fungieren. Die Deutsche Börse selbst wird als sogenannte Trusted Third Party zwischen die Verwahrer und die Blockchain-Technologie geschaltet sein. Der offizielle Start der Plattform ist noch für dieses Jahr geplant.

Keine Selbstverständlichkeit

Erfolgreiche Projekte wie diese sind keine Selbstverständlichkeit. So ist es kein Zufall, dass HQLAx in Luxemburg sitzt. Luxemburg zählt neben Frankfurt, London und Paris zu den innovativsten Finanzmetropolen der EU und weist heute ein dynamisches Ökosystem aus etablierten Finanzinstituten und jungen Fintechs auf, die eng miteinander sowie mit Akteuren aus Politik und Wissenschaft arbeiten. Das Großherzogtum ist Vorreiter, wenn es um moderne regulatorische Rahmenbedingungen geht und war beispielsweise eines der ersten Länder, das Regulierungsvorschriften für den Einsatz der Distributed-Ledger-Technologie erließ.
Auch die deutsche Bundesregierung geht hier mit großen Schritten voran und will mit ihrer kürzlich angekündigten Blockchain-Strategie ein entsprechendes Rahmenwerk schaffen. Der luxemburgische Staat investiert zudem gezielt in Initiativen zur Förderung von Start-ups, wie das Luxembourg House of Financial Technology (LHoFT). Der Start-up-Inkubator, von dessen Unterstützung auch HQLAx profitiert, fördert genau wie unser Deutsche Börse Fintech Hub in Frankfurt die Entwicklung innovativer Technologien im Finanzsektor. Zu den Gründungspartnern des LHoFT gehört nicht ohne Grund auch Clearstream.

Das LHoFT, unsere Kooperation mit HQLAx und vor allem auch das 50-jährige Jubiläum von Clearstream im nächsten Jahr stehen sinnbildlich für die enge Beziehung zwischen der Deutschen Börse und dem luxemburgischen Finanzplatz - aber auch für die langjährige Partnerschaft zwischen Deutschland und Luxemburg. Partnerschaftliche Beziehungen wie diese sollten uns gerade in turbulenten und ungewissen Zeiten wie wir sie aktuell erleben ein Vorbild sein. Denn die Antwort auf die immer komplexer werdende Welt kann nicht darin liegen, sich zurückzuziehen und abzuschotten.

Globalisierung und Digitalisierung haben hochgradig interdependente Märkte hervorgebracht, die keine nationalen Grenzen kennen und darum gemeinsam und übergreifend gestaltet werden müssen. Gerade Infrastrukturanbietern kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Denn indem wir sichere und transparente Märkte gewährleisten, stiften wir Vertrauen, das wiederum die Grundlage für jegliche Form der Zusammenarbeit bildet. Wir leben den partnerschaftlichen Gedanken bei der Deutschen Börse somit nicht nur in unserem Unternehmen, sondern befördern ihn auch im Markt. Denn wir sind überzeugt: Der einzige Weg in eine nachhaltige erfolgreiche Zukunft ist Zusammenarbeit am richtigen Ort.

Stephan Leithner, Vorstandsmitglied der Deutsche Börse AG, verantwortlich für Post-Trading, Data & Index und Chairman von Clearstream

Der Gastbeitrag erschien zuerst in der Sonderausgabe „Finanzplatz Luxemburg“ der Börsen-Zeitung vom 02.11.2019

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