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Interview mit Jens Hachmeister zur Machbarkeitsstudie mit Swisscom und Partnern

21. Nov 2019

Interview mit Jens Hachmeister zur Machbarkeitsstudie mit Swisscom und Partnern

Im Rahmen ihrer aktuellen Machbarkeitsstudie, die die Deutsche Börse gemeinsam mit Swisscom und drei Schweizer Banken durchgeführt hat, haben die Partner Wertpapiergeschäfte mittels Distributed-Ledger-Technologie (DLT) unter Verwendung von Aktien- und Cash-Tokens abgewickelt. Wir sprachen mit Jens Hachmeister, Head of New Markets, über die erfolgreiche Realisierung der Studie und warum diese Test-Transaktionen für uns wichtig sind.

Die Deutsche Börse untersucht gerade im Rahmen von Machbarkeitsstudien mit unterschiedlichen Partnern die Einsatzmöglichkeiten von digitalisiertem Geld auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie. Warum sind Sie in diesem Bereich so aktiv?

Jens Hachmeister, Head of New Markets

Digitalisiertes Geld – auch ‚cash-on-ledger‘ genannt – ist ein elementarer Baustein, um in Zukunft digitale Vermögenswerte effizient und sicher auf einer DLT-Umgebung zu bewegen. Die Vorteile liegen in einer hocheffizienten Geschäftserfüllung Zug-um-Zug, bei der keine der beiden Parteien einem Vorleistungsrisiko ausgesetzt ist. Und da beides – also die Assets und das Geld – auf DLT verfügbar sind, benötigt man für die Abwicklung keine weiteren Systeme. Das ist ein substanzieller Vorteil.
Für uns als Anbieter von Marktinfrastruktur liegt in dieser neuen Technologie viel Potenzial. Sie macht eine Vielzahl von Innovationen im gesamten Finanzdienstleistungssektor möglich. Hier gibt es im Moment aber noch wenig ausgereifte Lösungen, daher dienen solche Studien auch dazu, die Einsatzmöglichkeiten von DLT weiter zu untersuchen und dann zielgerichtet einzusetzen.

Mit der Swisscom und weiteren Partnern ist es nun gelungen, eine Wertpapiertransaktion mit Token in der Schweiz abzuwickeln. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie aus diesem Projekt ziehen?

Wir haben zum einen mit diesem Projekt gezeigt, dass unser Gedanke vom Aufbau einer umfassenden Infrastruktur für digitale Assets erste Früchte trägt – die Vielzahl der eingebundenen Partner und Systeme belegt das. Mit diesen Transaktionen konnten wir die gesamte Wertschöpfungskette abbilden – von der Tokenisierung von Geld und Wertpapieren, über die Abwicklung und die Verwahrung. Wir haben bewiesen, dass ein sofortiger Übertrag (Atomic Swap) zwischen unterschiedlichen DLT-Protokollen tatsächlich funktioniert. Es ist uns gelungen, diese Interoperabilität zwischen den Systemen, auch als cross-chain settlement bezeichnet, herzustellen. Dies ist ein zentrales Element für die weitere Entwicklung von Infrastruktur für digitale Assets. Zudem war es uns auch wichtig, zu zeigen, dass digitalisiertes Geld neben dem Euro auch in anderen Währungen wie dem Schweizer Franken abbildbar ist. Die gesamte Transaktion war dabei nicht nur ein technischer Test, sondern wurde verbindlich nach geltendem Recht abgewickelt. Das heißt: Es wurde basierend auf einem vertraglichen Rahmenwerk produktiv gehandelt, dabei ist echtes Geld geflossen.

Die Studie wurde mit Schweizer Partnern durchgeführt. Wäre eine solche Abwicklung auch für den deutschen Markt denkbar?

Wir haben hier in Deutschland in diesem Jahr bereits zwei vergleichbare Transaktionen durchgeführt; dabei waren als Partner die Commerzbank und die MEAG an Bord. Auch wenn die Schweiz in Europa als ein Vorreiter im Bereich Crypto/DLT gilt, so hat Deutschland doch zuletzt mächtig aufgeholt. Mit der verabschiedeten Blockchain-Strategie der Bundesregierung und der in Kürze erwarteten Gesetzgebung im Rahmen der aktuellen Geldwäsche-Richtlinie machen wir einen entscheidenden Schritt nach vorne. Hier erwarten wir vor allem, dass neue Rahmenbedingungen für entsprechende Finanzdienstleitungen auf Basis der Blockchain-Technologie geschaffen werden. Teil dessen wird eine Klassifizierung digitaler Assets als „Kryptowerte“ innerhalb des Gesetzes für Kreditwesen (KWG) sowie die voraussichtliche Einführung digitaler Wertpapiere sein. Es werden also gerade wichtige Weichen gestellt, um den deutschen Markt bei der Entwicklung dieser wichtigen Zukunftstechnologie nach vorne zu bringen.

Wie sehen die nächsten Schritte aus? Können Sie uns einen kleinen Ausblick geben?

Mit unseren Machbarkeitsstudien haben wir dieses Jahr gezeigt, dass Cash-on-ledger, also Geld in verteilten Systemen, vom Prinzip her funktioniert. Nun gilt es, die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen weiter festzuziehen, sodass die Grundlagen für eine produktive Verwendung gegeben sind. Da sind wir jetzt in Deutschland auf einem sehr guten Weg. Und für den Einsatz von digitalisiertem Geld haben wir schon die eine oder andere Idee.

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