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Clearinghäuser – Schutzengel der Finanzmärkte

13. Okt 2020

Clearinghäuser – Schutzengel der Finanzmärkte

200 Jahre Aktienhandel in Frankfurt: Alles begann mit der Aktie der Österreichischen Nationalbank. Seitdem haben sich zahllose Unternehmen über die Börse finanziert – und Anleger in eben jene Unternehmen investiert. In unserer Reihe „Evolution of Exchange Trading“ blicken wir aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Ursprünge und Meilensteine des Börsenhandels zurück.

Seitdem Menschen mit Aktien, Derivaten oder anderen Finanzinstrumenten handeln, gibt es das Bedürfnis, die Risiken, die in diesen Geschäften stecken, zu minimieren und abzusichern. Aus diesem Grund wurden die Clearinghäuser erfunden.

Es gibt sie schon eine ganze Weile und auch wenn sie für die unterschiedlichen Arten von Transaktionen genutzt werden, erfüllen doch praktisch alle Clearinghäuser bestimmte Grundfunktionen: Sie reduzieren durch die Zentralisierung und Standardisierung bestimmter Klassen von Finanztransaktionen die Kosten und die Risiken bei einem Handel zwischen mehreren Marktteilnehmern. In vielen Fällen fungieren sie auch als Garant für Transaktionen – als sogenannte Gegenpartei bei Geschäften – und tragen so dazu bei, die Kredit- und Liquiditätsrisiken der Gegenpartei zu verringern.

1853 wurde die Finanzstabilität erfunden

Geschäftsbanken in New York City gründeten im Jahr 1853 das erste wichtige Clearinghaus, die New Yorker Clearingstelle, um die Verrechnung und Abwicklung von Schecks zu rationalisieren. Zuvor waren Mitarbeiter von 60 Banken am Clearing- und Abrechnungsprozess beteiligt. Sie eilten durch die Stadt, um einander Schecks vorzulegen – ein zeitraubender Prozess, der zu Streitigkeiten und Fehlern führte. Die Einrichtung der Clearingstelle verbesserte die Situation fast sofort. Es gab erhebliche Einsparungen an Zeit, Aufwand und finanziellen Kosten, daher gab es zum Ende des 19. Jahrhunderts bereits Scheck-Clearinghäuser in den gesamten Vereinigten Staaten. In Europa war noch 1899 die Londoner Börse die einzige Börse mit einer Clearingstelle.

Auch die Aktien- und Derivatemärkte brauchten etwas mehr Zeit, da ihre Kontrollfunktionen wesentlich komplexer waren. 1892 unternahm die New Yorker Börse die ersten Schritte zur Verbesserung von Clearing und Abwicklung, indem sie ein Clearinghaus für einige Arten von Brokergeschäften schuf. Mit wachsenden Handelsvolumina und den damit verbundenen Clearingkosten gründete die New Yorker Börse 1920 die Stock Clearing Corporation. Das neue Clearinghaus reduzierte die Anzahl der für die Abwicklung erforderlichen Schecks um bis zu 90 Prozent und das Volumen der benötigten Gelder und Kredite um 70 Prozent und mehr.

Eine im Jahr 2019 im Journal of Political Economy erschienene Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Einrichtung der Clearingstelle der New York Stock Exchange (NYSE) im Jahr 1892 „die durch das Erfüllungsrisiko verursachte Volatilität der NYSE-Renditen erheblich verringerte und den Wert der Vermögenswerte erhöhte“, was darauf hindeutet, „dass eine Clearingstelle die Marktstabilität und den Wert des Marktes durch eine Verringerung der Netzwerkansteckung und des Gegenparteirisikos verbessern kann“.

Aus jeder Krise lernen

1907 fielen in den USA die Kurse an der NYSE um fast die Hälfte ihres Höchststands des Jahres 1906. Am vierten Tag der Krise gab die New Yorker Clearingstelle öffentlich bekannt, dass die Mitgliedsbanken geprüft und als zahlungsfähig eingestuft worden seien. Die Einleger waren beruhigt. Sie bot diesen Banken daraufhin Darlehen an, die schließlich in Darlehenszertifikate der Clearingstelle umgetauscht wurden, einer der Vorteile der Mitgliedschaft in einer Clearingstelle.

Der Schwarze Montag 1987 stellte die Frage nach der Sicherheit der Clearinghäuser. Dies führte dazu, dass der Finanzsektor daraufhin arbeitete, die Clearingstellen zu stärken.

Nach der Finanzkrise 2008 trafen sich die G20-Staaten in Pittsburgh. Die Zusammenkunft machte die Bedeutung von Clearinghäusern endgültig deutlich. Die getroffenen Vereinbarungen führten dazu, dass Clearinghäuser heute als fundamentaler Teil der Lösung einer Finanzkrise betrachtet werden.

Seit der Finanzkrise 2008 sind Clearinghäuser obligatorisch als „zentrale Gegenpartei“ (Central Counterparty, oder kurz CCPs) zwischen Käufer und Verkäufer geschaltet. Sollte eine der beiden Parteien ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können, springt das Clearinghaus ein. Das verringert das Risiko und erhöht die Transparenz und Sicherheit im Derivatemarkt. Die Clearinghäuser sind quasi die zentralen, neutralen Mittler von Finanztransaktionen. 

Eurex Clearing – wir sorgen für sichere Märkte

Die Eurex Clearing AG ist einTochterunternehmen der Eurex Frankfurt AG, das alle Transaktionen an der Eurex abwickelt. Sie wurde 1998 mit der Entstehung der Eurex gegründet. Als eine der weltweit führenden zentralen Gegenparteien betreut Eurex Clearing rund 200 Clearing-Mitglieder in 19 Ländern, verwaltet einen Sicherheitenpool von 49 Milliarden Euro und wickelt jeden Monat Geschäfte im Wert von 11 Billionen Euro ab.

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