Ad-hoc-Publizität

Ad-hoc-Publizität

Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) Verpflichtung eines Emittenten von Wertpapieren, Insiderinformationen unverzüglich zu melden und zu veröffentlichen.

Eine Insiderinformation ist eine noch nicht öffentlich bekannte Tatsache, deren Veröffentlichung den Kurs der Wertpapiere nach Bekanntwerden erheblich beeinflussen könnte. Als Insider gelten Personen, die aufgrund ihrer Position oder beruflichen Tätigkeit Zugang zu solchen noch nicht öffentlichen Informationen über ein Unternehmen haben.

Die Veröffentlichungspflicht für Wertpapieremittenten ist in § 15 des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) geregelt. Demnach erstreckt sich die Verpflichtung der Emittenten, Insiderinformationen zu veröffentlichen, auf die von ihnen begebenen Wertpapiere, die an einer inländischen Börse zum Regulierten Markt zugelassen sind. Die im Open Market (Freiverkehr) gehandelten Wertpapiere sind hiervon ausgenommen.

Die Pflicht zur Ad-hoc-Publizität soll dem Missbrauch von Insiderinformationen entgegenwirken und die Markttransparenz erhöhen. Ein Verstoß kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

Während die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft, ob die Emittenten ihrer Publizitätspflicht nachkommen, entscheidet die Börsengeschäftsführung darüber, ob die Veröffentlichung der Insiderinformation eine (vorübergehende) Kursaussetzung oder die Einstellung des Börsenhandels erfordert. Daher haben Emittenten beide Stellen vor der Veröffentlichung per Fax über die Insiderinformation zu unterrichten. Der Börsengeschäftsführung geht die Insiderinformation nach Marktusancen 30 Minuten vor ihrer Veröffentlichung zu.

Die Insiderinformation ist anschließend nach § 5 WpAIV, Absatz 1 (Verordnung zur Konkretisierung von Anzeige-, Mitteilungs- und Veröffentlichungspflichten sowie der Pflicht zur Führung von Insiderverzeichnissen nach dem Wertpapierhandelsgesetz) in deutscher Sprache zu veröffentlichen, und zwar zunächst über ein elektronisches Informationsverarbeitungssystem. Außerdem muss die Ad-hoc-Mitteilung für die Dauer von mindestens einem Monat im Internet unter der Adresse des Emittenten zugänglich sein. Unternehmen, die im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sind, sind verpflichtet, Ad-hoc-Mitteilungen zusätzlich in englischer Sprache zu publizieren.

Ein Beleg für die Veröffentlichung ist nach § 5 WpAIV, Absatz 3 unverzüglich schriftlich oder elektronisch an die Geschäftsführungen der Börsen, an denen die Wertpapiere oder deren Derivate zum Handel zugelassen sind, und an die BaFin zu übersenden.

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